Der Jazz wird wieder sesshaft

Der Verein Gambrinus Jazz Plus hat ein neues, dauerhaftes Lokal in Aussicht: Im Keller der Hauptpost am Bahnhof soll ab kommendem Herbst regelmässig Jazz zu hören sein.

Der Weg ist frei für einen neuen Jazzclub in der Stadt. Im Keller der Hauptpost hat der Verein Gambrinus Jazz Plus einen möglichen Standort gefunden. Ein erstes Projekt liegt vor, und auch die Finanzierung ist schon auf Kurs: Der Kanton hat für den Jazzclub 40 000 Franken aus dem Lotteriefonds zugesichert, die Stadt dürfte weitere 40 000 Franken beisteuern.

Für höchstens 80 Leute
Das städtische Budget 2013 ist allerdings noch nicht genehmigt, und zum Betrieb eines dauerhaften Jazzclubs in der Hauptpost stellen sich viele Fragen, die noch offen sind. Deshalb geben sich die Vertreter von Gambrinus Jazz Plus im Gespräch vorsichtig. “Uns schwebt ein Lokal für maximal achtzig Leute vor, wo man in angenehmer Atmosphäre Jazz geniessen kann”, sagt Philipp Moosmann vom Vorstand. Er leitet die Gruppe, die seit eineinhalb Jahren nach einem neuen Standort für den Jazz in der Stadt sucht – und ihn nun im Keller der Hauptpost gefunden hat. Noch türmen sich dort Turngeräte, Pulte und Stühle. Doch im Frühling wird das Lager geräumt, und der Umbau zum Jazzclub kann beginnen.

In der Bar statt im Konzertsaal
Ein bleibender Veranstaltungsort ist nach wie vor das Ziel des Vereins Gambrinus, der mit seinen Konzerten derzeit zwischen verschiedenen Lokalen hin und her pendelt: vom Kugl bis zur Grabenhalle, von der Kirche St. Laurenzen bis zum Pfalzkeller, vom Palace bis zum roten Platz. Der Wechsel von Ort zu Ort hat laut Vereinspräsident Andreas B. Müller auch seinen Reiz; man habe sich neues Publikum erschliessen können. “Doch der Profilierung von Gambrinus ist es eher hinderlich, und die Kontinuität fehlt.” Zudem sei der Aufwand zu hoch, wenn jedes Konzert an einem anderen Ort stattfinde. Und überhaupt: “Jazz muss eigentlich in einer Bar spielen, nicht in einem Konzertsaal”, sagt Philipp Moosmann.

Zentral gelegen, gut ausgestattet
In den vergangenen Monaten hat Moosmann in der Stadt viele Kellerräume, Restaurants und sogar einen verlassenen unterirdischen Tunnel ausgekundschaftet. Die Wahl fiel schliesslich auf den Keller der Hauptpost, der dem Kanton gehört. Der Standort an der St. Leonhard-Strasse eignet sich aus mehreren Gründen gut für Jazzkonzerte: Das Lokal liegt zentral und direkt beim Bahnhof, allerdings in sicherer Entfernung zu privaten Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten.

Ausserdem ist ein Grossteil der Infrastruktur wie Toiletten, Heizung, Strom- und Wasseranschlüsse schon vorhanden. Auch eine Soundanlage und einen Flügel besitzt der Jazzverein noch aus früheren Jahren, letzterer steht im Moment leihweise im “Alpenhof” auf dem St. Anton. Was ebenfalls schon stimmt, ist die Atmosphäre. Denn der neue Gambrinus-Club soll laut Philipp Moosmann “kein zu gestyltes Lokal” werden. “Wir werden die Wände nicht streichen, damit der Fabrikcharme erhalten bleibt.” Ein bisschen verrucht dürfe der Jazzclub schon sein: “Man soll den Schweiss der Musiker riechen können.”

Mindestens fünf Jahre
Was noch fehlt, ist die Bar, die Bühne und das Mobiliar, zudem müssen eine Akustikdecke gebaut und neue Wände eingezogen werden. Der Raum ist gemäss Moosmann nämlich noch zu gross. Damit sich die Investitionen rechnen, will Gambrinus Jazz Plus mindestens fünf Jahre lang in der Hauptpost Mieter bleiben. Verläuft alles nach Plan, sollen im Herbst 2013 die ersten Jazzakkorde erklingen.

Quelle: St.Galler Tagblatt vom 30.11.2012, Text: Roger Berhalter

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