Club on the rocks

Gambrinus legt Jazzclub auf Eis

Kein Live-Jazz: Im Keller der Hauptpost bleibt es bis auf weiteres still. (Bild: Urs Bucher)

Im Keller der Hauptpost wollte der Verein Gambrinus Jazz Plus einen eigenen Club führen. Jetzt hat er das Projekt begraben. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch, weil es dem Jazz in der Stadt wieder besser geht.

Wo die Bar hinkommt, war schon klar. Auch, wo die Musiker spielen. Und draussen, an den vergitterten Kellerfenstern – auf Kniehöhe der Passanten – hätte man Lautsprecher montiert, um die Leute weg von der St. Leonhard-Strasse hinein in den Jazzclub zu locken. Doch jetzt hat der Verein Gambrinus Jazz Plus die Idee eines fixen, eigenen Clubs in der Hauptpost am Bahnhof wieder begraben. «Wir haben uns schweren Herzens entschieden, dieses Projekt nicht weiterzuverfolgen», teilte der Verein gestern per Newsletter mit.

Hoher Anspruch, teurer Betrieb
Gründe gegen den Jazzclub gibt es laut Vereinspräsident Andreas B. Müller viele. Oder anders gesagt: «Es sprachen schliesslich zu wenige Gründe dafür.» Zwar waren die Kosten für den Umbau des Hauptpost-Kellers schon gesichert. Von den insgesamt 120 000 Franken hätten der Kanton und die Stadt je 40 000 Franken übernommen, der Rest war laut Müller über Sponsoren, Mäzene und Unternehmen gedeckt.

Doch zu diesen einmaligen Baukosten wären pro Jahr weitere 100 000 Franken Betriebskosten hinzugekommen. «Wir wollten ein anständiges Programm bieten, nicht nur zwanzig bis dreissig Anlässe pro Jahr», erklärt Müller die hohen Kosten. Der Gambrinus-Jazzclub sollte zwei bis drei Abende pro Woche geöffnet sein, was mit freiwilligen Helfern nicht zu machen gewesen wäre. «Mit den Besuchereinnahmen allein hätten wir das nicht finanzieren können», sagt Müller. Man wäre also auf weitere Sponsoren und öffentliche Gelder angewiesen gewesen. Beides hatte sich in den vergangenen Monaten schwierig gestaltet. So sprang (unabhängig vom neuen Jazzclub) die Migros als wichtiger Sponsor ab, zudem sendete der Kanton Signale, dass er angesichts weiterer Sparrunden kaum einen neuen Jazzclub finanzieren werde.

Neue Heimaten sind gefunden
Das Aus für den Gambrinus-Jazzclub kommt aber nicht nur wegen des Geldes. Auch die Situation für den Jazz in der Stadt hat sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert. Andreas B. Müller spricht von verschiedenen «Ausweichstandorten», die man dank «engagierter, motivierter Gastgeber» gefunden habe. Konkret sind dies das Weinlokal 1733 an der Goliathgasse, wo ab kommendem Januar jeden Montag wieder Jazz und Jazzverwandtes zu hören ist (siehe Kasten). Auch in der Stickerei habe Gambrinus im vergangenen Jahr mit einer wöchentlichen Jazzreihe gute Erfahrungen gemacht. Deshalb treten dort ab dem 4. September bis Ende Jahr wieder jeden Mittwochabend Live-Bands und Vinyl-DJs auf. Organisiert wird die Reihe wiederum vom St. Galler Jazzbassisten Sandro Heule, der (zusammen mit Valentin Butz) seit neustem auch im Gambrinus-Vorstand aktiv ist.

Eine dritte Heimat hat der Jazz inzwischen im Saal der diözesanen Kirchenmusikschule am Gallusplatz gefunden. Dort veranstaltet der Jazzliebhaber Richard Butz seit Februar die Reihe «kleinaberfein» und bietet laut Andreas B. Müller ein «hochkarätiges Jazz-programm».

Ein Mäzen müsste kommen
Der Jazz in der Stadt ist also wieder erstarkt: Jazz an jedem Montag- und jeden Mittwochabend, regelmässige «kleinaberfein»-Abende und (wie bis anhin) regelmässige Gambrinus-Gastspiele in verschiedenen Lokalen, von Palace über Tonhalle bis Einstein. So zeigt sich Andreas B. Müller mit der aktuellen Situation durchaus zufrieden. Zumal es schwierig geworden wäre, die Ansprüche aller Veranstalter in einem einzigen Club zu vereinen. Ist für Gambrinus ein fixes Lokal nun endgültig vom Tisch? «Im Moment verfolgen wir das Projekt nicht aktiv weiter», sagt Müller. «Wenn sich aber ein jazzaffiner Mäzen mit einem geeigneten Lokal meldet, sind wir sofort dabei.»

Quelle: St.Galler Tagblatt vom 24.08.2013, Text: Roger Berhalter