Songs from the present

Peter Waters & Michael Neff
Songs from the present

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Album Info:

Mit dem expressiven Pianisten Peter Waters und dem lyrischen Trompeter Michael Neff haben sich eigentlich zwei diametral entgegengesetzte Musiker getroffen. Ihre CD beweist, dass sich Gegensätze durchaus komplettieren.

Ein gutes Dutzend Songs, zur Hälfte selbst geschrieben, zur Hälfte genüsslich Popsongs adaptierend und weiterdenkend, und dies alles mit Klavier und Trompete: Michael Neff und Peter Waters haben sich auf ihrer ersten CD «Songs from the present» mit ihrer selbst gewählten Reduktion zum Duo eine anspruchsvolle Grunddisposition gesetzt. «Oder auch nicht. Je nachdem, wie man harmoniert, ist das Duo die einfachste oder aber schwierigste Form», relativiert der Trompeter Michael Neff.

Expressiv, aber lyrisch
Dass sich mit Waters und Neff zwei Musiker fanden, wie man sie sich unterschiedlicher kaum vorstellen kann, überrascht positiv. Während Neff in der Ostschweizer Szene als Meister des Lyrischen gilt, sind Waters Pianokonzerte oft expressive Eruptionen und virtuose Klangreisen. Die Gegensätzlichkeit der ehemaligen Wohnnachbarn steht dem ersten gemeinsamen Silberling durchaus gut an. Immer wieder gelingt es Neff, Waters mit seinem spärlichen Trompeten- und Flügelhornspiel einzufangen. Waters seinerseits verführt Neff zu wunderschönen, meist Dringlichkeit atmenden Fabulierereien.

Von Ramazotti bis Santana
So spannend wie die spärliche Instrumentierung ist auch die vordergründig diffuse Songauswahl. Eigenes Material, teilweise spezifisch für dieses Duo komponiert, teilweise für andere Projekte geschrieben, wird mit Coverversionen von Eros Ramazotti bis Carlos Santana kontrastiert. Überhaupt versprüht die CD jenen freien Kulturgeist, den man sich häufiger herbeiwünschte. «Es war tatsächlich so, dass wir kaum miteinander geprobt hatten. Wir haben uns, jeder für sich, gut vorbereitet und im Studio den Augenblick ausgelebt», sagt Neff. «Für mich war es eine Herausforderung, mit Peters freier Arbeitsweise klarzukommen. Er hat mir gezeigt, wie frei man sich im Studio bewegen kann, was bestimmt mit seiner Erfahrung zu tun hat.» Waters kompositorische Handschrift auf «Songs from the present» ist denn auch markanter als jene von Neff. Dass sich mit «Dolce Barbara» und «Sta passanod novembre» zwei Ramazotti-Adaptionen auf der CD finden, hat mit Waters ehrlicher Verehrung für den italienischen Popstar zu tun.

Ein starkes Début
Insgesamt sind es eher die Coverversionen, die die eigenwillige Schönheit von «Songs from the present» ausmacht. Die beiden Ramazotti-Interpretationen sind schier schmerzlich schön und «The captain of her heart/steppin’ out», eine kompositorische Verbindung von Joe Jackson und Michael Neffs Haussängerin Marie Malou, zeigt die musikalische Bandbreite der beiden gewichtigen Stimmen der Ostschweizer Musikszene auf. Angenehm unbekümmert scheren sich Waters/Neff nicht um Genres und Stile und entwerfen einen eigenwilligen musikalischen Blick auf die Gegenwart. Mal umkreisen sie das Schwere, mal das Leichte – je nach Blickwinkel, ist das durchaus dasselbe. Auch deshalb ist dieses Duo eine unverhoffte Entdeckung.

Autor: Michael Hasler
Quelle: St.Galler Tagblatt vom 16.10.2007

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