To-Scana

Markus Bischof Trio
To-Scana

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Schön eigentlich, Musiker auch jenseits der 50 in einem begrenzten Kulturraum wie der Ostschweiz noch vollends entdecken zu können. Markus Bischof, Jazzschullehrer aus Teufen, ist ein eben solches Phänomen. Über eine Dekade hinweg feierte er bis Mitte der 90er-Jahre mit seinem Latin Orchester Abaqua nationale gar internationale Erfolge, zog sich dann aber fast gänzlich aus der Konzertszene zurück. «Nach zehn Jahren Abaqua hatte ich genug, war ich ausgepowert. Ich war mehr Organisator und Arrangeur, denn Musiker. Und ehrlich, ich begann mit dem Üben erst dann wieder, als wir die Band auflösten und ich mir einen Flügel kaufte.» Während mehr als fünf Jahren machte sich Bischof zuletzt rar in den Konzertlokalen, arbeitete stattdessen als Spätberufener seines Fachs (Bischof begann erst in der Mittelschule mit dem Klavierunterricht) an seiner Technik und entdeckte die Lust am Komponieren von Neuem.

Von Neff wiederentdeckt
Dass die Dinge für den soeben mit dem Kulturpreis von Appenzell Ausserrhoden («Zäuerloops») ausgezeichneten Pianisten derzeit schier beängstigend gut laufen, liegt zu einem schönen Teil auch am Trompeter Michael Neff. «Er hatte mich für sein Abschlusskonzert an der Jazzschule in seine Band berufen – und ich fühlte mich ausgesprochen wohl», erinnert sich Bischof.

Aus der losen Liaison ergab sich eine feste Bindung: Bischof spielt seither in Neffs Band. Sein subtiles und impressionistisches Treiben innerhalb der Michael Neff Groupe blieb Christoph Schaepper vom Label «Amiata emozioni» nicht verborgen: «Nach den Aufnahmen zu Winemoods von Neff fragte er mich, ob ich mit ihm ein Album aufnehmen möchte», erzählt Bischof. Für den Teufner war die Anfrage gleichbedeutend mit dem Freimachen neuer Energien: «Ich habe die meisten der nun vorliegenden Stücke innerhalb eines Jahres komponiert. Schaeppers Anfrage war für mich die Initialzündung».

Dass sich Bischof an eine eigene CD wagte, liegt auch an der Aussöhnung mit den eigenen musikalischen Mitteln. «Ich hatte immer einen impressionistischen Ansatz. Das liegt sicher auch daran, dass mir das Sportive in der Musik fehlt. Lange hatte ich das Gefühl, dass die Leute nur auf ungeheure Technik reagieren. Ich hatte beinahe Komplexe, denn ich war nie einer, der schnell spielte, auch nicht zu meiner Zeit als Klassiker», sagt Bischof. Stattdessen unterwirft er sich – auch auf «To-Scana» – den Grundelementen des Expressiven: schwebende Harmonien, offenes Time, offener Groove sowie klangliche Authentizität.

Wunderbar ausgewogen
Für letztere reiste er auf Anraten von Produzent Christoph Schaepper in die Südtoskana. «Für mich war nicht der Ort, sondern der Flügel entscheidend», erzählt Bischof. «Schaeppers Partner Stefan Giesen hat dort einen Konzertsaal mit einem 2,80 Meter langen Fazioli-Flügel gebaut. Allein auf diesem Flügel spielen zu können war traumhaft.»

Tatsächlich klingt «To-Scana» so ausgewogen wie authentisch. Vor allem in den Balladen erweist sich Bischof als Meister der Langsamkeit. Seine Fähigkeit, den Ausdruck der Musik über seine formale Funktion zu stellen, macht diesen Pianisten zur unerwarteten Entdeckung. Begleitet wird er auf seinem hervorragenden Erstling von Stefan Willi (Schlagzeug) und Dietmar Kirchner (Bass).

Autor: Michael Hasler
Quelle: St.Galler Tagblatt vom 21.5.2007

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